Im Vorfeld der US-Wahlen erhielten frauenfeindliche Beiträge auf Onlineplattformen wie beispielsweise der Videoplattform Twitch und TikTok und in sozialen Onlinenetzwerken erhebliche Reichweite. Über den Hashtag #yourbodymychoice wurde der ursprüngliche Slogan #mybodymychoice der Frauenrechtsbewegungen missbraucht. Reichweiten-starke sogenannte ‚Menfluencer‘, männliche Influencer, die frauenfeindliche und rechtskonservative Ideologien verbreiten, nutzten den verkehrten Hashtag als politisches Symbol, um einen ‚Machtwechsel‘ und die Rücknahme weiblicher Selbstbestimmung, insbesondere im Zusammenhang mit dem Abtreibungsverbot in den USA zu propagieren. Verschiedene Videos gingen viral. Vor diesem Hintergrund haben wir uns gefragt, ob der Hashtag und die damit verbundene autoritäre und patriarchale Ideologie möglicherweise im schulischen Raum bereits angekommen ist und sich nachzeichnen lässt. Um mit Fachkräften aus dem Bereich Schule und Bildung ins Gespräch zu kommen, wurde ein Gesprächsformat anberaumt, aus dem wir Erfahrungen und Perspektiven gesammelt haben. In dem Talk kamen von den Teilnehmenden verschiedene Beobachtungen und Bedarfe zur Sprache, die sich sowohl auf allgemeine Aspekte und Fragen als auch auf konkrete Erfahrungen von Schüler*innen und Lehrkräften beziehen. Die Teilnehmenden des Talks waren ausschließlich Erwachsene.
Über Schüler*innen wurde berichtet, dass die Thematik „Gender & Queerness“ in schulischen Diskussionen zu einer hohen Emotionalisierung führe. Dabei ließen Berichte und Positionen von Schüler*innen starke Bezüge zu familiären Vorstellungsmustern erkennbar werden, machten allerdings auch Loyalitätskonflikte der Schüler*innen zu den Eltern deutlich. Des Weiteren beobachteten schulische Fachkräfte einzelne Fälle von Schülerinnen, die von Mitschülern aufgrund der Ablehnung von Beziehungsangeboten bedroht wurden. Es werde allerdings ebenso beobachtet, dass „männliches Verhalten“ in zweigeschlechtlichen Beziehungen von Jugendlichen insofern internalisiert und befürwortet werde, dass beispielsweise die Kontakte und Social Media-Accounts auf dem Smartphone der Partnerin kontrolliert oder die Freundin und ihre ‚Ehre‘ (physisch) verteidigt werden müssten. Ferner wurde auch die Frage aufgeworfen, welche Vorbilder Jugendliche haben und was diese für sie attraktiv macht, sowie die Thematik der Mediennutzung und des Konsums problematischer Inhalte. Ein weiterer Beitrag bezog sich auf die Situation von Kindern, deren Eltern extremistische Tendenzen aufweisen und die dadurch unter anderem von Isolation bedroht seien.
Mit Hinblick auf die Situation von Lehrkräften wurde die Forderung formuliert, dass in die Ausbildung verstärkt politische Bildung und Diskriminierungsarbeit aufgenommen werden müsse. Daneben sollten sie Hassrede einordnen und einfangen können, wofür ein ausgeprägtes Bewusstsein für den eigenen Standpunkt notwendig sei.
Im Allgemeinen wurde beobachtet, dass der gemeinsame Hass gegen Angehörige der LGBTQI+ Community und gegen Frauen ein Verbindungselement verschiedener und gegensätzlicher extremistischer und fundamentalistischer Gruppierungen darstellt (dazu das Beispiel: https://www.nordstadtblogger.de/eine-neue-rechtsextreme-gruppierung-in-dortmund-ist-thema-bei-gedenkveranstaltungen/). Dazu wurde angemerkt, dass Mitglieder von extremistischen Gruppen ein Autoritätsdenken und ein Signifikanzbedürfnis teilen. Dennoch sei die Thematik um toxische Männlichkeit in sämtlichen Gesellschaftsschichten präsent und nicht nur auf bestimmte Gruppierungen zuschreibbar. Weitergehend müsse sich damit auseinandergesetzt werden, woher das Anspruchsdenken der Täter und die Selbstverständlichkeit der Straffreiheit von sexistischen Übergriffen komme.
Handreichung zur Thematik | |
Zielgruppe: Fachkräfte im Bereich Schule sowie interessierte Eltern und Schüler*innen. | |
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